Wicked Queen Editions: Ein neues Imprint für feministische Fantasy

Wicked Queen Editions Logo

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Heute möchten wir euch ein Projekt vorstellen, an dem wir schon seit vielen Monaten – genauer gesagt sogar gedanklich schon seit fast zwei Jahren – feilen.

2019 wird das Jahr der Wicked Queens: Wir starten unser Jubiläumsjahr mit der Einführung eines neuen Imprints, das als neues Reihenlabel bei Feder & Schwert geführt werden wird (analog zu unseren bestehenden Labels wie z.B. Steampunk oder ehemals origin). Wir haben lange überlegt und gebrainstormt, bis der jetzige Name feststand; das Kind wird Wicked Queen Editions heißen! Das dazugehörige, brandneue Logo könnt ihr an der Seite bewundern.

Welche Bücher werden unter dem neuen Imprint erscheinen?

Unter Wicked Queen Editions werden wir Bücher veröffentlichen, die gewisse selbstgesetzte feministische Mindeststandards einhalten. Wir möchten ein Imprint schaffen, zu dessen Büchern Fantasy- und Sci-Fi-interessierte Frauen (und selbstverständlich auch alle anderen) problemlos greifen können, ohne Gefahr zu laufen, darin mit bestenfalls ärgerlichen, schlimmstenfalls verletzenden Inhalten konfrontiert zu werden, wie zum Beispiel reduzierten klischeehaften Darstellungen von Frauen, oder Plotelementen wie der obligatorischen “Schändung”, die oft als Motivation für weibliche Heldinnen herangezogen werden, die jedoch Frauen herabwürdigen und marginalisieren.

Wir haben lange überlegt, welche Skala wir als Messlatte für diese Standards anlegen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Tests, die man benutzen kann, die größtenteils aber aus dem Bereich der Filme und Computerspiele stammen. Als Beispiele seien hier der Bechdel-Test genannt, der sicher den meisten etwas sagt, aber auch der Mako-Mori-Test wäre geeignet, und der Sexy-Lamp-Test (könnte eine der Frauen in der Handlung auch problemlos durch eine sexy Lampe ersetzt werden?) ist es schon allein aufgrund seines Unterhaltungswertes wert, dass man ihn kennt. (Wem all das nichts sagt: Einen sehr schönen Überblick über Bechdel-, Mako-Mori-Test und Co. gibt es auf Literaturschock.de.)

Wir haben uns, da uns insbesondere der Bechdel-Test zu kurz greift, und doch besser auf Filme als auf Romane passt, für eine Variante entschieden, die von der US-amerikanischen Feministin Roxane Gay in diesem Artikel vorgeschlagen wurde:

  • Die Geschichte einer Frau ist zumindest Teil des Romans. Sie ist weder ausschließlich Sidekick, Love Interest noch Komparsin.
  • In ihrer Welt leben viele weitere intelligente Frauen, die ihre eigenen Geschichten haben, die es wert wären, erzählt zu werden (auch, wenn diese nicht Teil des Romans sind).
  • Wenn sie Teil eines romantischen Handlungsstrangs ist, dann wird sie weder ihre Zurechnungsfähigkeit noch ihren gesunden Menschenverstand für die Liebe aufgeben.
  • Unser Feminismus ist intersektional. Wir bemühen uns, Geschichten zu finden, in denen Women of Color, trans Frauen oder queere Frauen wichtige Rollen spielen, ohne dass es ausschließlich um ihr “Anderssein” geht.
  • Die Protagonistin wird nicht in einem unerklärlich perfekten Appartement in einer teuren Großstadt leben, ohne dass deutlich wird, wie sie sich dieses unerklärlich perfekte Appartement leisten kann.
  • Die Protagonistin wird nicht an einem unrealistischen feministischen Standard gemessen. Sie kann und soll menschlich sein. Sie soll ein realistischer Charakter sein, der nicht unbedingt sympathisch sein muss.

Zudem werden wir, voraussichtlich auf der letzten Seite eines jeden Romans der Reihe, Content-Warnungen angeben, ähnlich wie es bei Fanfiction Gang und Gäbe ist. Warum wir Content-Warnungen für eine gute Idee halten, ist in diesem Blogartikel sehr gut erklärt, den wir dankenswerterweise auf Facebook bei der Kollegin von Art Skript Phantastik entdeckt haben.

Aktuell planen wir für diese Reihe drei bis vier Titel pro Jahr.

Wir sind schlechte Feministinnen

Wir möchten uns an dieser Stelle mit Roxane Gay in die Reihe schlechter Feministinnen (bzw. bad feminists) stellen. Der obige Kriterienkatalog ist selbstverständlich nicht das letzte Wort in Sachen feministischer Lektüre und wir behaupten keinesfalls, mit unserem Vorhaben nun eine höhere moralische Ebene erklommen oder identifiziert zu haben, wie Romane ausgestaltet sein müssen, um die Welt zu verbessern. Wir sind Menschen und genauso wenig perfekt wie alle anderen. Dieses Vorhaben ist lediglich ein Versuch, in die richtige Richtung vorzustoßen, und beruht im Wesentlichen darauf, eine Buchreihe zu schaffen, die wir selbst gerne lesen würden. Wenn ihr Anregungen habt, wie wir unsere Kriterien weiter verbessern oder inklusiver gestalten können, dann schreibt uns gerne und konstruktiv an info (at) feder-und-schwert.com. Danke!

Woher kommt der Name “Wicked Queen Editions”?

Da wir es am liebsten hätten, wenn ihr euch eure eigene Interpretation des Titels machen würdet, hier nur einige Stichpunkte dazu, was wir uns dabei gedacht haben. Der Titel stammt natürlich aus dem Reich der Märchen – bei “Wicked Queen” denkt man wahrscheinlich zuerst an Schneewittchens Stiefmutter oder generell böse Stiefmütter/Hexen/Königinnen in Märchen. Inspiriert von dem Trend der letzten Jahre, klassische Märchen neu zu interpretieren, greifen wir hier das Stereotyp der bösen Königin auf und drehen es um. In unseren Geschichten könnten Königinnen böse sein oder auch nicht; sie könnten missverstanden sein, oder einfach nur mächtig, und jemand neidet ihnen ihre Macht. Manchmal sind sie auch einfach verschlagen und unsympathisch, denn wer sagt eigentlich, dass weibliche Protagonistinnen immer sympathisch und nett sein müssen?

Wieso benutzen wir hier einen englischen Namen? Weil die Vielschichtigkeit des Begriffs “wicked” hier so hervorragend passt, sich leider aber sehr schlecht ins Deutsche übertragen lässt. Im Englischen kann es sowohl “boshaft”, “gemein” und “niederträchtig” als auch “großartig” oder “schalkhaft”, “durchtrieben” bedeuten, je nach Kontext und Betonung. Die Übersetzung “Verrückte Königinnen” klingt einfach zu sehr nach … “Ab mit ihrem Kopf!”.

Die ersten Titel der Reihe

Die ersten Titel dieser Reihe haben wir bereits festgelegt. Es handelt sich hierbei um die neue Trilogie von Charlaine Harris um die Revolverheldin Lizbeth Rose aka Gunnie Rose! Der erste Band wird voraussichtlich im Juli bei uns erscheinen und damit der erste Band der Wicked-Queen-Reihe sein.

Das Covermotiv zum 1. Band der Gunnie Rose-Trilogie von Charlaine Harris

Im ersten Band bekommt ihr Folgendes geboten:

  • Eine gefährliche Reise durch ein staubiges, alternatives Südstaaten-Amerika der 1930er Jahre
  • Eine kompetente Heldin, die als Söldnerin arbeitet und häufiger unwirsch als nett zu anderen Menschen ist
  • Eine mächtige Magierin, die sich von niemandem in den Schatten stellen lässt

Was heißt das für F&S-Fans?

Vor allem heißt es nicht, dass wir unsere bereits etablierten Reihen in irgendeiner Weise vernachlässigen oder abwerten wollen. Wir veröffentlichen selbstverständlich auch weiterhin Harry Dresden, Sandman Slim und weitere, um männliche Protagonisten zentrierte Romane, denn wir lieben ihre Geschichten! Es heißt auch nicht, dass ab sofort jedes Buch, das die oben genannten Kriterien erfüllt, unter Wicked Queen Editions erscheinen wird. In manchen Fällen wird es uns passender erscheinen, sie unter dem allgemeinen F&S-Logo zu veröffentlichen. Wicked Queen Editions wird im Wesentlichen um Titel herum aufgebaut werden, die wir ganz besonders Frauen ans Herz legen wollen, die keine Lust haben, in Fantasy-Romanen immer wieder auf dieselben Klischees zu stoßen. So ist die Abgrenzung zwischen verschiedenen Imprints/Linien natürlich auch eine Marketingmaßnahme, um Wiedererkennungswerte zu schaffen.

Wie ihr seht, sind wir hochmotiviert ins Jahr 2019 gestartet und hoffen, euch mit dieser Ankündigung ein wenig neugierig gemacht zu haben. 🙂